Auf dem Blog nichtegal.blogspot.de berichten die Helfer von ihren Einsätzen in Uganda, Sambia oder anderen Ländern. 
 

Haitireise Februar 2016

Claudia Barber, Mitglied des Kuratoriums und ihr Mann Jeff besuchten im Februar 2016 ein Projekt auf Haiti und berichten von ihren Erlebnissen auf dieser Reise. Gern stellen wir Ihnen diese Berichte zur Verfügung.

Haiti, Saintard und Pignon           28.02.2016

Vor genau zwei Wochen sind wir nach Haiti abgereist und haben sehr viel erlebt: Gottes Schutz auf manch abenteuerlichen Fahrten, wir haben viele beeindruckende Menschen kennengelernt und natürlich all die Orte besucht , die uns das Kinderhilfswerk ans Herz gelegt hatte.

Hier ein paar besonders beeindruckende Erlebnisse: 

Schwester Phyllis

Schwester Phyllis

Nach insgesamt 28 Stunden reiner  Anreisezeit erreichten wir das Gelände von Schwester Phyllis, der Gründerin der ersten Gemeinde Gottes auf Haiti vor 40 Jahren. Die heute 74-jährige berichtete, wie sie mit einer Gemeinde und einer Schule ohne feste Unterstützung begann, und dass es heute 300 Gemeinden und 274 Schulen auf Haiti gibt, dazu zwei Kinderheime, mehrere Gästehäuser und eine Klinik!  Jährlich kommen mehr als 40 amerikanische Work und Medical Camps für jeweils eine Woche zu ihr nach Saintard und führen entweder Verbesserungen an den bestehenden Häusern aus oder bauen Wohnhäuser für Menschen, die seit dem Erdbeben 2011 immer noch in aufgestellten Zeltplanen leben. Dieses Engagement hat uns schon sehr beeindruckt. 

Wir durften auch Dr. Marc Fulton und seine Frau Kathy aus den USA kennenlernen, die seit zwei Jahren vollzeitlich in Haiti leben und die Klinik mit zur Zeit 37 Mitarbeitern immer weiter ausbauen. Sie führten uns durch die Räume der Tagesklinik und nahmen sich Zeit für unsere vielen Fragen. Danke! Es gibt  unterschiedliche Bereiche wie Kinderheilkunde, Chirurgie, Innere Medizin, Radiologie, eine orthopädische und eine Optikerwerkstatt u. v. m., in denen haitianische Mitarbeiter ausgebildet werden. Immer wieder kommt medizinisches Personal auf eigene Kosten mit Material aus den USA, um OPs durchzuführen oder Prothesen zu bauen. Es gäbe noch so viel zu berichten, doch unser eigentliches Hauptziel war das House of Hope  in Pignon, ca. 100 km entfernt.

Da zeitgleich ein amerikanischer Pastor mit Dolmetscher zu einer Pastorenkonferenz dorthin fahren musste, wurden wir zusammen mit weiteren amerikanischen Workcampern in einem alten amerikanischen Schulbus auf die Reise geschickt. Zu Anfang gab es noch eine Schotterpiste, aber dann folgten nur noch Feldwege mit tiefen, tiefen Schlaglöchern und ein Fluss, der durchquert werden musste. Nach gut fünf Stunden erreichten wir unser Ziel. Der Bus musste noch am gleichen Tag mit Workcampern zurückfahren und blieb nach der erneuten Flussdurchquerung im Halbdunkeln liegen.

Auf dem Gelände des House of Hope  in Pignon steht auch ein Gästehaus, in dem wir als Team (Pastor Dale, Dolmetscher, Mr. Smith, Jeff und ich) für die nächste Tage wohnten. Im House of Hope  leben zur Zeit 41 Kinder mit 4 Betreuern. Das Haus und das Gelände machen nach haitianischen Maßstäben einen gepflegten, großzügigen Eindruck. Wir Deutsche würden erwähnen, dass es fast keine Möbel gibt und die meisten Kinder sich die Betten teilen müssen. Mangels Schränken und Regalen werden die guten Kleider (von denen es wenige gibt)  in Koffern aufbewahrt, die Alltagskleider in Tonnen. Die elektrischen Leitungen sind zum Teil nicht isoliert, die Duschen und die Küche könnten gut Fliesen und Schränke vielleicht sogar einen Kühlschrank mit Gasbetrieb vertragen. Das sind die dringlichsten Verbesserungsanliegen. Aber die Kinder bekommen täglich drei Mahlzeiten, werden von den Betreuern gut versorgt, gehen zur Schule, in den Kirchenchor und Sonntags zur Kirche- dafür werden sie von vielen einheimischen Kindern sehr beneidet. Weitere zehn Kinder leben im Ort bei Eltern oder Verwandten und haben in Deutschland einen Paten, der für das Schulgeld und weitere Unkosten aufkommt. Leiter dieses House of Hope, der örtlichen Gemeinde Gottes und der Schule mit 560 Schülern ist Pastor St. Dieu, der nebenbei noch Zuckerrohr und Bohnen anbaut und den Gewinn hieraus für die Versorgung von zehn Kindern einsetzt, die zwar im Heim leben, aber derzeit keinen Paten haben.

Claudia Jeff Barber

Claudia und Jeff Barber mit einigen Patenkindern

 Dank des Dolmetschers für den amerikanischen Missionar und, da die Schule wegen der Konferenz ausfiel, konnten wir die meisten im House of Hope  und im Ort lebenden kreolisch sprechenden Kinder und Betreuer kennen lernen, Fotos machen und ein wenig von ihrem Leben erfahren. Nachmittags und abends ging es meist zur Kirche, wo wir unseren amerikanischen Pastor und inzwischen Freund im Orginal hören konnten, bevor seine Predigten ins Kreolische übersetzt wurden. Im Gegensatz zu Uganda dauerten die Gottesdienste außer am Sonntag aber stets nur zwei Stunden mit viel lauter Musik.

Dieser schwer beschäftigte Mann sollte nun neben seinen vielen täglichen Aufgaben während unserer Zeit vor Ort die Pastorenkonferenz leiten, etliche Taufen und drei Hochzeiten durchführen und uns möglichst vollständig Auskunft über die wirtschaftliche Situation im House of Hope, die Patenkinder und nötige Verbesserungen geben.  Eine wahre Mammutaufgabe!!! Und dann platzte auch noch ein Reifen an seinem Auto, sodass der Pastor und wir die Fahrt vom House of Hope  zum Ort mal im Schulbus und mal per Motorrad bewältigen mussten – auf dieser Piste schon ein Abenteuer!

Es gäbe noch so viel zu berichten z.B. über die Hochzeiten mit gebrauchten, gespendeten Hochzeitskleidern aus den USA oder wie gut die Kinder im Umgang mit Bällen jeder Art umgehen können oder die große Armut bei 85% Arbeitslosigkeit und schlimmsten politischen Missständen. Wie in vielen Entwicklungsländern ist Bildung die Schlüsselkompetenz, um den Einzelnen und das Land auf lange Sicht aus der Armut herauszubringen. Und deshalb möchten wir dieses House of Hope, das Kindern eine Chance bietet, auch weiterhin unterstützen und möglichst noch weitere Paten finden, damit zumindest die zehn Kinder, die schon im Heim leben, Unterstützung durch eine Patenschaft bekommen.

 

1. Tag in St. Domino bei Olga und Gerado Taron 15.02.2016

 
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Ehepaar Taron mit Ehepaar Barber

 

Nach einem „relativ angenehmen“ 10 Stunden-Flug von Frankfurt aus haben Olga und Gerado uns heute morgen um 3.30 Uhr bei 23 Grad vom Flughafen abgeholt und wir durften bei ihnen erst mal bis 9 Uhr weiterschlafen. Dann gab es ein leckeres Frühstück und wir bekamen eine ausführliche Stadtrundfahrt.

Zuerst ging es zu der von ihnen gegründeten Schule und Kirche der Gemeinde Gottes in St. Domingo. Es war die erste von 15 Gemeinden, die sie in den letzten 30 Jahren gegründet haben. Tarons kamen hier 1978 mit drei Kindern an und musste die erste Schule/Kirche mit eigenen Händen und sehr wenig Hilfe aufbauen. Auch für Olga waren dies wahrlich herausfordende Pionierzeiten mit zuerst nur einem Zimmer und fast keinem Strom in einer völlig fremden Umgebung. Sehr beeindruckend Heute besuchen 260 Kinder bis zur 12. Klasse die Schule, Olga und Gerado sind schon fast im Ruhestand, haben ein schönes Haus und ihre drei erwachsenen Kinder wohnen mit Enkelkindern auch in St. Domingo, sodass dieses Land ihre Heimat geworden ist.

Nach dem Schulbesuch ging es weiter auf Straßen mit vielen Schlaglöchern durch Armenviertel, die denen in Kampala sehr ähneln, ins Stadtzentrum. Hier erstanden wir unsere Busfahrkarten für unsere morgige Weiterreise nach Port-au-Prince und 

konnten Euros in Pesos wechselten. Dann ging es weiter in die überwiegend restaurierte Altstadt dieser 2,5 Millionen Einwohner-Stadt. Gerne wären wir hier ein bisschen spazieren gegangen, um die Orte zu besuchen, an denen Kolumbus mit seinen Schiffen den amerikanischen Kontinent betreten hat. Aber es goss wie aus Eimern. So ging es die Küstentraße entlang, die von Hotels und Casinos gesäumt wird, bis wir in den ganz modernen und sichtlich wohlhabenden Teil von St. Domingo kamen. Hier sind die Straßen viel besser, der Verkehr mit Autos, LKWs und Motorrädern brodelt nur so und an der Ampel stehende Autos werden umringt von Straßenverkäufern und Fensterputzern. In einer ganz modernen „hyperklimatisierten“ Shoppingmall suchten wir Schutz vor dem Regen und einen Adapter für unsere elektrischen Geräte - mit beidem waren wir erfolgreich. 

Inzwischen sind wir wieder zurück bei Tarons, draußen ist es schon dunkel und wir blicken dankbar auf diesen sehr informativen Tag zurück, an dem sich Olga und Gerado mit uns so viel Mühe gegeben haben. Morgen geht's mit dem Bus weiter nach Haiti, wo es ganz anders (ärmer und chaotischer) als hier sein soll. Wir sind gespannt und beruhigt, dass wir auch dort von Mitgliedern der Gemeinde Gottes erwartet werden.

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