Kinderpatenschaften


Unser Referatsleiter für Russland und die Ukraine, Pastor Walentin Schüle, steht in engem Kontakt zu den Gemeindeleitern und den Familien vor Ort und berichtet aus dem täglichen Leben unserer Patenkinder:
„Die Lage in Russland hat sich insgesamt verschlechtert. Die Wirtschaft stagniert, auch durch Sanktionen des Westens. Es herrscht eine angespannte Situation, überall wird gespart, Investitionen werden kaum noch getätigt. An Lebensmitteln gibt es zurzeit noch so gut wie alles, die Preise sind jedoch erheblich gestiegen. Auch Benzin, Strom, Öl, Heizkosten - alles ist teurer geworden. Die Lebensmittelpreise liegen auf einem Niveau von 60 - 70 % unserer Preise bei einem durchschnittlichen Verdienst von 130 € monatlich! Die Familien sind sehr stark belastet, die Kosten für einen Schulbesuch sehr hoch. Eine Einschulung verschlingt 1 - 2 Monatsgehälter, wenn beide Eltern arbeiten. Bücher, Schulmaterial und ca. drei Schuluniformen zum Wechseln werden benötigt.
Der Patenschaftsbeitrag hilft hier, damit die Familien nicht in eine absolute Notlage geraten.
Die Familien wohnen größtenteils auf dem Land und leben vom eigenen Vieh und von dem, was der Garten hergibt. Sie sind sehr fleißig, pflanzen Kraut und Kartoffeln an. Viele hätten sonst keine Überlebenschance. Insgesamt ist die Versorgung auf dem Land etwas einfacher, doch leider herrscht gerade dort eine hohe Arbeitslosigkeit. Viele hoffen nun, dass die Embargos dazu führen könnten, dass die eigene Landwirtschaft wieder angekurbelt wird, wenn die Zahl der Importe sinkt. Sehr oft leben Familien mit von der Rente der Oma, denn so haben sie ein festes Einkommen von wenigstens 70 - 80 € im Monat."

Muromzewo/Sibirien: „Patenschaften verändern Leben"  

Das Ehepaar Ioganes hat schon vor vielen Jahren die Pflege für eines der ersten Kinder, die wir in unser Hilfsprogramm von der Kinderhilfswerk Stiftung Global-Care aufgenommen haben, übernommen. Maria war damals noch sehr klein und hatte keine guten Zukunftsaussichten. Die Mutter war alleinerziehend und kaum in der Lage, das Kind aus eigener Kraft großzuziehen. In ihrer Pflegefamilie begann Maria aufzublühen. Auch ihr Talent für Musik wurde mithilfe des Patenschaftsbeitrags gefördert: Sie lernte Akkordeon spielen.

Irgendwann stellte sich für die Familie die Frage: Können wir nicht auch anderen in der Not zur Seite stehen? Das erste Kind, das die Behörden der Familie vermittelten, wurde direkt aus dem Krankenhaus in die Familie aufgenommen - Kristina. Der Bitte des Kindes: "Nehmt mich bitte weg von hier" konnte das Ehepaar nicht widerstehen. Kristina kannte weder ihre Mutter noch ihren Vater. Die eigenen Kinder des Ehepaares haben das Pflegekind liebevoll aufgenommen. In besonderer Weise hat Maria sich um die Kleine gekümmert. Sie badete sie, zog sie festlich an, flocht ihr die Haare. Viel Zeit verging, bis Kristina Vertrauen entwickeln konnte. Es dauerte drei Monate, kostete viele Tränen und so manches Gebet bis das Kind die Eltern und Geschwister akzeptierte. Ein Wunder ist geschehen. Als wir die Familie vor einigen Jahren besuchten, war sie ein freundliches, liebes Mädchen, das ihre Adoptivschwester Maria liebgewann. Auch Kristina ist inzwischen schon lange ein Patenkind des Kinderhilfswerks.

Als nächstes Kind kam Gawriil dazu. In Omsk hatte man den Jungen streunend und verdreckt aufgelesen. Man hatte versucht, ihn umzubringen. Die Schlinge hing immer noch an seinem Hals. Gawriil war wie ein kleiner Wolf, der keinem Menschen vertraute. Niemand konnte ihn in den Arm nehmen oder ihm einen Kuss geben. Mit viel Liebe und Zärtlichkeit hat die Pflegefamilie es geschafft, auch dieses Kind zu verändern. Über unser Patenschaftsprogramm wird auch Gawriil unterstützt.

Muromzewo Großfamilie 11.2012 WSchüleInzwischen hat die Familie noch vier weitere Kinder aufgenommen. Mit viel Fleiß gelang es der Familie ein kleines Reich mit Kühen, Ziegen, Schweinen, Gänsen und Hühnern zu schaffen. Die Milch wird in der Stadt verkauft. Käse wird in eigener Produktion hergestellt. So ist die Familie zum Selbstversorger geworden.

Maria ist inzwischen schon fast erwachsen. Sie studiert Lehramt in Omsk, arbeitet aktiv in der Teenager- und Jugendarbeit der Kirchengemeinde mit und möchte sich auch in Zukunft in besonderer Weise der Arbeit mit Kindern widmen.

Weltweit

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