Hilfe für syrische Flüchtlinge im Libanon

Syrische Kinder im Libanon.Das Flüchtlingsthema hält uns in Atem und bewegt das ganze Land: Fast 60 Millionen Menschen sind weltweit auf der Flucht. 50 Prozent davon sind Kinder unter 18 Jahren! Allein in Syrien haben zwei Millionen Mädchen und Jungen durch Krieg und Gewalt ihr Zuhause verloren.
Kinder leiden als die Schwächsten der Gesellschaft am meisten unter der extrem großen psychischen und gesundheitlichen Belastung und der Unsicherheit um die eigene Zukunft. Sie sind besonders gefährdet, Opfer von Ausbeutung, Gewalt und Missbrauch zu werden.
Unser Kinderhilfswerk unterstützt Flüchtlingsfamilien aus Syrien, die in das Nachbarland Libanon geflohen sind. Nach über vier Jahren Bürgerkrieg in Syrien sind elf Millionen Menschen – die Hälfte der Bevölkerung – ins Ausland geflohen oder Vertriebene im eigenen Land. Der Libanon, halb so groß wie Hessen, hat selbst nur 4 Mio Einwohner und beherbergt 1,5 Millionen registrierte Flüchtlinge aus Syrien. Die Probleme sind kaum zu bewältigen: Mangelnder Wohnraum, steigende Mieten, überfüllte Straßen, fehlende Schulplätze, Engpässe bei der Strom- und Wasserversorgung, Arbeitslosigkeit. Zusätzliche Instabilität wird durch militante Flüchtlinge verursacht, die als Regierungs-, Rebellen- und IS-Anhänger ihre Rivalitäten im Libanon fortsetzen.
Fleißige Helfer stellen Hilfspakete zusammen.Unser Kinderhilfswerk unterstützt seit November 2012 die Hilfsmaßnahmen von vier lokalen Kirchengemeinden. Regelmäßig werden Versorgungspakete mit Grundnahrungsmitteln, nährstoffreicher Babynahrung und –milch, ebenso wie Hygienepakete mit Windeln, Shampoo und Waschpulver verteilt. Außerdem wurde den Flüchtlingen mehrmals in Zusammenarbeit mit Ärzten eine medizinische Behandlung angeboten und Medikamente zur Verfügung gestellt.
Die ehrenamtlich tätigen Mitarbeiter besuchen die Familien und kümmern sich um ihre Nöte und Bedürfnisse. Da sie selbst Opfer eines Bürgerkriegs waren, können sie die Situation der traumatisierten Flüchtlinge verstehen. Um den Kindern und Familien fröhliche und unbeschwerte Momente zu ermöglichen werden Feste und Veranstaltungen, wie Kinoabende oder Kindertreffen, organisiert. Auch ein Weihnachtsfest mit Geschenken durfte nicht fehlen und hat Kinderaugen zum Strahlen gebracht.

Die Flucht und das Leben im Libanon

Beate Tohmé besucht eine Syrische Familie.

Einige Monate ist es her, dass die zwölfjährige Farida ihre Heimat Syrien Hals über Kopf verlassen musste. Jetzt lebt sie mit ihren Eltern und drei Geschwistern in einem Dorf

 in der Bekaa-Ebene im Libanon. Ihr neues Zuhause ist eine ehemalige Werkstatt, die notdürftig zurecht gemacht wurde, damit hier jemand wohnen kann. In der Mitte trennt eine unverputzte halbhohe Wand den Wohnbereich und das Bad. Es gibt kaum Möbel, nur einige Plastikstühle und Matratzen, die tagsüber als Sitzgelegenheit dienen. Farida erinnert sich an den Tag der Flucht: „Meine Eltern haben nicht gesagt, wohin wir fahren, aber ich spürte, dass irgendetwas nicht stimmte. Wir stiegen in den Bus nach Damaskus. Von dort ging es weiter mit einem Taxi. Unterwegs mussten wir dauernd anhalten. In der Mitte der Straße standen bewaffnete Männer, die in unser Auto guckten. Jedes Mal waren meine Eltern nervös und angespannt. Mein Vater musste seinen Ausweis
zeigen. Erst als wir im Libanon ankamen sagte meine Mutter: "Wir haben es geschafft! Jetzt wird alles gut!" Ein anderes Taxi brachte uns dann weiter bis in das Bekaa-Tal. Zum Glück gibt es hier keine Schießereien oder Granaten, die in die Häuser krachen. Aber mein Zuhause in Syrien war viel schöner. Ich hatte ein eigenes Zimmer mit rosa Gardinen. Papa hat in einem Büro gearbeitet. Hier findet er keine richtige Arbeit. Das gefällt ihm nicht und auch meine Mutter ist oft traurig, weil wir kaum Geld haben." Sie lächelt schüchtern und rutscht auf der Matratze hin und her: „Ich gehe hier zur Schule. Das finde ich gut, sonst würde ich mich langweilen. Aber fast alle Fächer werden in Französisch unterrichtet. In Syrien haben wir nur Englisch gelernt. Deshalb fällt es mir schwer, die Lehrer zu verstehen. Außerdem vermisse ich meine Freunde. Wenn ich meine Mutter frage, wann wir wieder nach Hause fahren, guckt sie traurig und zuckt mit den Schultern."

Weltweit

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