Japan

Ein Jahr später


2012. Ein Jahr ist es her, dass Japan von dem verheerenden Erdbeben, dem darauffolgenden Tsunami und der Reaktorkatastrophe in Fukushima erschüttert wurde. Mehr als 20 000 Menschen kamen ums Leben, 500 000 wurden obdachlos.

Es waren dramatische Wochen in denen die ganze Welt mit den Japanern bangte. Die Folgen der Reaktorkatastrophe geben nach wie vor Anlass zur Sorge. Doch es gibt auch ermutigende Nachrichten: Die gewaltige Tsunami-Welle löste gleichzeitig eine Welle der Hilfsbereitschaft aus. Wir freuen uns, dass auch unser Kinderhilfswerk helfen kann. Wir unterstützen eine Kindertagesstätte und Camps für Kinder zur Traumabewältigung. Ihre Spende macht es möglich. Vielen Dank für Ihr Engagement und Ihr Vertrauen!

Der Tsunami kommt!
Zum Thema Halloween malt ein Junge die Riesen-Welle.

1. Kindertagestätte Kamaishi

Die Kindertagesstätte in der Küstenstadt Kamaishi betreut Kinder im Alter von 3 Monaten bis 6 Jahren. Das Gebäude und sämtliches Mobiliar wurden durch den Tsunami zerstört. Es erscheint wie ein Wunder, dass sich die Betreuer mit 80 Kindern in zwanzig Minuten in ein höher gelegenes Gebiet retten konnten. Regelmäßige Katastrophenschutz-Übungen haben dazu beigetragen. Vorübergehend findet die Kinderbetreuung in einem 10 Kilometer entfernten, ehemaligen Kindergartengebäude statt. In einem ersten Projekt hat die Kinderhilfswerk Stiftung Global-Care Ausstattungsgegenstände für die Tagesstätte finanziert. Momentan wird der Wiederaufbau der Tagesstätte mit einem Spielplatz in sicherer Entfernung zum Meer geplant.

Was geschah am 11. März 2011, dem Tag des Erdbebens und Tsunamis?

Es ist 14:46 Uhr und Zeit für den Mittagsschlaf der 80 Kinder in der Kindertagesstätte in Kamaishi. Plötzlich erschüttert ein gewaltiges Beben die Küste und reißt die Kinder aus dem friedlichen Schlaf. Die Leiterin der Tagesstätte, in Kamaishi aufgewachsen, sagte später: "Es war das erste Mal, dass die Behörden die große Tsunami-Warnung herausgaben!" Die Ankündigung einer 10 Meter hohen Tsunami-Welle hält sie anfangs für übertrieben und glaubt es einfach nicht.

Doch die Warnungen wiederholen sich und treffen in immer kürzeren Zeitabständen ein. Langsam ahnt sie, dass heute alles anders ist und handelt. Ruhig und gefasst informiert sie alle Betreuerinnen und Lehrkräfte und bittet sie die verinnerlichten und immer wieder geübten Flucht- und Evakuierungsmaßnahmen einzuleiten.

Mittlerweile wird es dunkel, vom Himmel fallen Graupelschauer. Alle 80 Kinder stehen in Schlafanzügen und Schuhen parat. Die Zeit reicht nicht, um Jacken anzuziehen. Sie landen in Plastikbeuteln und werden mitgenommen. 10 Babys kommen in drei Kinderwagen unter. Eine der Lehrerinnen trägt ein Baby in einem Tragetuch auf dem Rücken und eins im Arm. Dann geht es los. Ihr Ziel: Der nahegelegene Park mit dem 300 Meter hohen Hügel. Auf dem Weg bergauf schaut ein Kind zurück und ruft erschrocken: "Menschen und Autos kommen in einer Welle auf uns zu!" Die Leiterin zwingt sich, nicht zu schauen. Ihr Blick ist nach vorne gerichtet. Sie hat nur das Ziel vor Augen: Alle in Sicherheit bringen! Gemeinsam schaffen sie es und kommen rechtzeitig und unversehrt oben an.
Endlos erleichtert fallen sich alle in die Arme und drücken die Kinder herzlich an sich. Kein Kind schreit oder weint nach den Eltern. Instinktiv spüren selbst die Kleinen, dass etwas Schlimmes passiert ist, sie aber bei ihren Erziehern sicher sind.

Nachdem das Wasser weg war, kamen sie im 5. Stock eines nahegelegenen Gebäudes unter. Es gab weder Strom, Gas, Wasser oder Telefon. Straßen waren unpassierbar, die Stadt war abgeschnitten von der Zivilisation. Tagelang mussten sich die Kinder wenige Wasserflaschen teilen. Irgendwie schafften es die Lehrer/innen Milchpulver und Babynahrung aufzutreiben. Aber Windeln zum Wechseln gab es nicht!
Zwei Tage nach der Katastrophe konnte das letzte Kind seinen Eltern wohlbehalten übergeben werden.


2. Hilfe für traumatisierte Kinder

Unter dem Namen CRASH Japan bündeln lokale Kirchengemeinden ihre Kräfte und leisten Katastrophenhilfe. Bereits einige Tage nach dem Erdbeben fuhren Teams in betroffene Gebiete, halfen in den Flüchtlingslagern beim Kochen der Mahlzeiten, Verteilen der Hilfsgüter und beim Räumen der Grundstücke. Neben der materiellen Unterstützung ist es ihnen ein Anliegen, Kindern bei der Trauma-Bewältigung zu helfen.

Fünf Tage lang treffen sich bis zu 50 Mädchen und Jungen mit Helfern in Schulen oder Kirchengebäuden. Singen, Basteln, Spielen und die Geschichte eines kleinen Pinguins stehen auf dem Programm.
Der kleine Pinguin Pete fällt mit seiner Eisscholle ins Meer. Alleine treibt er übers Wasser, weit weg von seiner Familie. Aber die Geschichte soll nicht traurig machen - im Gegenteil: Denn Pete findet Freunde. Er lernt, dass er nicht alleine ist und alles schaffen kann. Und genau das sollen auch die Kinder fühlen. Im September fanden Camps in Hitachi und Fukushima statt.

Vielen Dank im Namen der Kinder und Familien in Japan für Ihre wertvolle Hilfe! Sie schenkt Hoffnung und Perspektive.

Spenden für die Katastrophenhilfe lindern Not und sind ein Lichtblick im Dunkel des Unglücks. Damit wir auch weiterhin schnell und unbürokratisch Menschen in Notsituationen helfen können, bitten wir um Ihre Spende.

Weltweit

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