Ausbildung schafft Perspektive!


In Äthiopien gehen die Uhren anders: Der Tag beginnt um 6:00 Uhr morgens, der Kalender zeigt 13 Monate und am 11. September beginnt das neue Jahr. Der äthiopische Kalender richtet sich nach dem julianischen Kalender, der unserem (gregorianischen) Kalender sieben Jahre und neun Monate hinterher hinkt. Daher kommt es oftmals zu erstaunten Blicken, wenn unsere Paten Briefe ihres Patenkindes erhalten, auf denen ein doch recht weit in die Vergangenheit zurückreichendes Datum steht, denn die Jahreszählung läuft dem gregorianischen Kalender sieben Jahre und ca. neun Monate hinterher!

Durch Unruhen wurde Äthiopien stark zerrüttet und gehört heute zu den ärmsten Ländern der Erde. Wirtschaftliche Grundlage ist die Landwirtschaft, von ihr leben 90 % der Bevölkerung. Dürrebedingte Ernteausfälle führten jedoch zu Hungerkatastrophen und Flüchtlingselend. 

Allein in Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens, leben schätzungsweise 25 000 Kinder auf der Straße. Die Ursachen für diese hohe Zahl an Straßenkindern liegen im Verlust des Elternhauses durch Tod oder die grassierende Armut.

Auf der Straße beginnt dann der Kampf ums nackte Überleben. Ein stets gegenwärtiges Bild: Kleine Hände, die sich bettelnd jedem Vorübergehenden entgegenstrecken. Oft sind sie gerade fünf oder sechs Jahre alt und versuchen ihren Lebensunterhalt durch kleine Dienstleistungen, Raub oder Prostitution zu bestreiten.

Reinhard Berle von der Kinderhilfswerk Stiftung Global-Care besucht das afrikanische Land seit über zwanzig Jahren. Bei einem der ersten Besuche hatte er ein prägendes Erlebnis. In einem Gespräch mit einem äthiopischen Minister wurde die Situation der Straßenkinder thematisiert. Plötzlich brach der Minister in Tränen aus und sagte: „Bitte helfen Sie unseren Kindern!“ Motiviert durch diese eindringliche Bitte engagiert sich das Kinderhilfswerk seit Jahren durch Patenschaften in Äthiopien. Damit wird Kindern in ihrer natürlichen Umgebung geholfen und ihnen die Grundlage für ein Leben auf der Straße entzogen.

Lesen Sie mehr über Erfolgsgeschichten aus Äthiopien...

Vom Bettler zum qualifizierten Facharbeiter  

Nach der Schulzeit stellen sich neue Fragen und Probleme.

Wie sollen junge Menschen ins Leben entlassen werden ohne die Chance auf eine Ausbildung? So entstand vor Jahren die Vision von einem Ausbildungszentrum. Der Bürgermeister von Bishoftu, einer Stadt 45 km südöstlich von Addis Abeba, war sofort begeistert von der Idee und stellte spontan ein 17.000 Quadratmeter großes Grundstück zur Verfügung. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat den Bau mit Zuwendungen gefördert. Im September 2010 konnte das Ausbildungszentrum im Beisein vieler Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben feierlich eröffnet und seiner Bestimmung übergeben werden. 

Seitdem können hier in einem Kurssystem bis zu 100 junge Menschen eine qualifizierte Ausbildung absolvieren. Alle Absolventen erhalten nach erfolgreichem Abschluss ein Zertifikat. Die Auszubildenden kommen aus ärmsten Verhältnissen. Bei der täglichen Sorge ums Überleben ist an die Bezahlung von Ausbildungsgebühren nicht zu denken. Mit der Ausbildung werden Wege aus der Armut aufgezeigt und Zukunftsperspektiven vermittelt. Junge Menschen können so selbständig für ihren Lebensunterhalt sorgen und müssen nicht mehr bettelnd durch die Straßen der Städte laufen. 

Vier Jahre danach  

Im Februar 2014 konnten bereits 225 junge Erwachsene ihre Ausbildung erfolgreich abschließen. Alle haben anschließend eine Arbeit gefunden. Die Ausbildung erfolgt in den Bereichen Küche/Gastronomie, Hotelbetrieb/Service, Bauhandwerk, Schlosser und Elektroinstallation. Alle Auszubildenden werden darüber hinaus am Computer unterrichtet.  

In Bishoftu wird der Tourismusbereich in den letzten Jahren stark vom Staat gefördert (Hotels, Ferienresorts). Weil hier ein großer Bedarf an qualifiziertem Personal entstanden ist, bilden wir auch für den Gastronomie- und Hotelbereich aus. Inzwischen haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Hotels und Restaurants unsere Abgänger sehr gerne nehmen. Die Ausbildung dauert in der Regel zwischen sechs Monaten und einem Jahr. Am Ende steht eine Prüfung mit Zertifikat. Wir helfen den Auszubildenden beim Berufseinstieg, indem wir ihnen eine Stelle vermitteln oder sie bei der Gründung eines eigenen kleinen Gewerbes („micro enterprise“) unterstützen. 

Eine Chance für Shura  

Shura Hawas Auredu, 24 Jahre, war einer unserer ersten Azubis im Ausbildungszentrum und machte eine Ausbildung zum Elektroinstallateur. 

Shura ist Halbwaise, sein Vater starb vor 20 Jahren. Seitdem hat die Mutter die Verantwortung für ihre fünf Kinder alleine getragen. Die Mutter war in der Landwirtschaft tätig, ist aber mittlerweile zu alt und schwach, um auf dem Feld zu arbeiten. Einer Söhne musste seine Schulausbildung abbrechen, um die Aufgaben seiner Mutter zu übernehmen.  Eigentlich lebt Shuras Familie weit von Bishoftu entfernt. Um nah an seinem Ausbildungsplatz zu sein, mietete er ein Zimmer in Bishoftu. Neben seiner Ausbildung engagierte er sich ehrenamtlich in der Jugendarbeit. Mittlerweile hat Shura die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und eine Stelle als Elektroinstallateur gefunden. Er kann jetzt seinen eigenen Lebensunterhalt verdienen. 

Lesen Sie weitere Erfolgsgeschichten unserer Patenschaften...

 

Nie mehr betteln! - Wie können Sie helfen?

Wir suchen dringend Spender, die ein Herz für die Jugendlichen haben und ihre Ausbildung unterstützen. 
Schon mit 40 € im Monat können Sie einen Ausbildungsplatz für einen Jugendlichen finanzieren. 

 

Weltweit

/*