Zwei Jahre nach dem Erdbeben

2012. Vor zwei Jahren erschütterte ein gewaltiges Erdbeben der Stärke 7,0 den Inselstaat Haiti. Bei dem schwersten Erdbeben seit mindestens 200 Jahren kamen mehr als 300 000 Menschen ums Leben. 1,5 Millionen verloren ihr Zuhause. Zwei Jahre später sind immer noch 500 000 Menschen in Flüchtlingslagern oder provisorischen Unterkünften untergebracht. Selbst der Schutt von zerstörten Gebäuden ist noch nicht vollständig geräumt. Im Oktober brach die Cholera aus und kostete Tausenden das Leben.

Die Karibikrepublik Haiti gilt als Armenhaus des amerikanischen Kontinents. Ca. 80 % der Einwohner leben am Rand des Existenzminimums.

Unser Kinderhilfswerk arbeitet seit 2010 mit lokalen Kirchengemeinden und ihrem eingetragenen Verein „Eglise de Dieu Réformée d'Haiti" zusammen. Die Hilfsmaßnahmen konzentrieren sich auf zwei Orte:
• St. Ard, 50 Kilometer nördlich der Hauptstadt Port-au-Prince

In der Klinik in St. Ard ist mittlerweile eine Prothesenwerkstatt entstanden. In Haiti findet man meistens Prothesen, die eine kurze Lebensdauer haben und nicht angepasst werden können. In der Medical Clinic at St. Ard werden Prothesen aus carbonfaser-verstärktem Kunststoff hergestellt. Sie halten 10 Jahre und können problemlos angepasst werden! Im Februar beginnt die Schulung von lokalen Fachkräften durch einen erfahrenen amerikanischen Orthopädietechniker. Wir freuen uns, dass wir bald die dringend benötigte Hilfe in lokale Hände und Verantwortung übergeben können. Damit die Patienten lernen, im Alltag mit den Prothesen zurecht zu kommen, soll eine Physiotherapie eingerichtet werden.

• Pignon, 150 Kilometer nördlich der Hauptstadt Port-au-Prince

Der Bau des „House of Hope" hat begonnen. Alle freuen sich, dass hier ein Zuhause für 40 Waisen und bedürftige Kinder entsteht. Aufbruchsstimmung und freudige Erwartung liegen in der Luft.

Unseren 40 Patenkindern geht es gut. Die Familien sind dankbar für die regelmäßige Hilfe, die das Überleben der Kinder und eine gute Versorgung sicherstellt. Schwester Phyllis, unsere Projektleiterin in St. Ard, schaut zurück:

„Wir finden keine passenden Worte, um unsere Liebe und tiefe Dankbarkeit zu Euch auszudrücken. Ihr tut so viel für uns und die Kinder in Haiti! Wer kümmert sich schon um die Armen in zwei abgelegenen und vergessenen Städten in Haiti? Ihr tut es. Durch Euch fühlen wir uns wertvoll und wertgeachtet."

Wir danken allen Paten und Spendern, die unsere Hilfsmaßnahmen ermöglichen! Nur gemeinsam können wir das Leben der Bedürftigen in Haiti verbessern.

Wir freuen uns auf weitere Hilfe mit dem Verwendungszweck: Haiti 8060-10

Im Oktober 2011 reiste Beate Tohmé nach Pignon, um sich ein Bild von dem Fortschritt unserer Projekte zu machen: „Ich werde nie vergessen, wie apathisch und krank einige der Kinder waren, als ich sie Anfang 2010 das erste Mal traf. Es war klar: Hier geht es erst einmal ums nackte Überleben. Ich bin sehr froh, dass es allen mittlerweile besser geht. Immer wieder betonen unsere Mitarbeiter, dass manche Kinder erst seit Beginn der Patenschaft regelmäßig zur Schule gehen und genug zu essen haben.

Gemeinsam mit Reinhard Gertz aus dem Vorstand besuchte ich Familien, die uns stolz ihr neues Zuhause zeigten – von Spenden aus Deutschland finanziert. Beim Betreten der einfachen Häuser mit Wellblechdach staunt man, dass tatsächlich locker acht bis zehn Personen in zwei kleine Zimmer passen. Die Haitianer sind es gewohnt, alle Decken und Matratzen nach dem Schlafen an die Seite zu räumen. Da, wo nachts Matratze an Matratze liegt, ist tagsüber Platz zum Sitzen, Essen und Wohnen.

Höhepunkt unseres Aufenthalts in Pignon war ein Treffen mit den Patenkindern. Sauber gekleidet, nervös kichernd und etwas schüchtern saßen alle auf Bänken in der Kirche und warteten auf den Besuch aus Deutschland. Dann ging es los mit einem abwechslungsreichen Programm bestehend aus Liedern, Gedichten und Tänzen. Mal waren die Jungs an der Reihe, dann ein Mädchentrio oder alle zusammen. Als Zeichen der Dankbarkeit überreichten sie uns kleine selbst gebastelte Blumen zum Anstecken. Singen verbindet über Kulturen und Sprachen hinweg. Als die Kinder das Lied „ER hält die ganze Welt in seiner Hand" auf Französisch anstimmten, antworteten wir spontan mit der deutschen Version. Alle lachten und freuten sich. Noch mehr freuten sich die Kinder über kleine Mitbringsel aus Deutschland. Genüsslich verspeisten sie die Schoko-Riegel, die zum Glück den Transport und Temperaturen um 35 °C einigermaßen überstanden hatten. Zum Schluss des Treffens servierten die Mitarbeiter den Kindern dann noch eine große Portion Reis mit Bohnen, die selbst die Kleinen mühelos schafften."

Weltweit

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