5 jahreFünf Jahre nach dem Erdbeben

Februar 2015. Fünf Jahre ist es her, dass das verheerende Erdbeben Haiti erschütterte, bei dem
300 000 Menschen ums Leben kamen. Im Januar war Beate Tohmé vor Ort: “Nach dem Besuch der Medical Clinic in St.Ard mit der von uns finanzierten Optikerwerkstatt und Cité Bleu, wo wir den Bau von Häusern für Erdbebenopfer unterstützt haben, geht es weiter nach Pignon. Es ist der erste Besuch seit der Einweihung unseres House of Hope. Bisher haben wir immer nur leere oder im Bau befindliche Gebäude besichtigt. Mittlerweise leben hier 47 Kinder, die durch Patenschaften unterstützt werden. Auf dem Weg steigt die Spannung. Wie geht es den Kindern? Was sind die Sorgen, Freuden und Herausforderungen?

20150123 165708Hier draußen zwischen Zuckerrohrplantagen, Mangobäumen und Palmen stört kein Zivilisationslärm die ländliche Ruhe. Nur Vogelgezwitscher, krähende Hähne, und das Meckern einer Ziege sind zu hören. Auf der angrenzenden Plantage haben die Kinder Gärten angelegt. Stolz führen sie uns herum. Der Boden ist fruchtbar, es gibt genug Wasser. Die jungen Gärtner schaffen es, dem Boden leckere Köstlichkeiten zu entlocken: Avocados, Zucchini, Süßkartoffeln, Peperoni oder Papaya. Die Bohnenernte eines Mädchens hat für die Versorgung aller Kinder im House of Hope gereicht. Und Remy Pierre schenkt mir seine Tagesernte von 12 Süßkartoffeln! Auf der Zuckerrohrplantage bringt Pastor St. Dieu den älteren Jungen bei, wie man mit der neu angeschafften Maschine das kostbare Zuckerwasser aus dem Zuckerrohr presst, das anschließend in riesigen Bottichen über dem Feuer zu dickflüssigem Sirup gekocht wird. Die Kinder sind glücklich. Sie haben ein Zuhause im House of Hope gefunden. Es gibt viel Platz zum Spielen und Toben, ein Dach über dem Kopf und drei Mahlzeiten am Tag.
Morgens um 6:30 Uhr heißt es: Aufstehen, duschen, Betten machen, frühstücken und dann ab zur Schule. Zehn Minuten dauert die Fahrt bis nach Pignon mit dem Minivan. Mittags, wenn die Sonne vom Himmel brennt, geht’s zurück. Nachmittags ist erst einmal Zeit zum Spielen. Später müssen noch die Hausaufgaben erledigt werden. Schon um 18 Uhr ist es stockdunkel und dann sitzen alle Kinder draußen auf der Bank zur täglichen Abendandacht. Nur der innige Gesang der Kinder durchdringt die Stille. Gegen 20 Uhr ist Schlafenszeit. Dann kehrt Ruhe ein im House of Hope.
Die Zeit mit den Patenkindern tut gut. Bei den Interviews sind sie mit Eifer dabei. „Was ist dein größter Wunsch für die Zukunft?“, frage ich den 8–jährigen Rikleme. „Ich will blond sein!“ antwortet er wie aus der Pistole geschossen. Alle lachen und wollen ihm diesen skurrilen Traum ausreden. Aber er lässt sich nicht beirren. Er meint es wirklich ernst. Beim gemeinsamen Ballspielen tauen die Kinder richtig auf und zeigen, wie geschickt sie mit dem Ball umgehen können. Kein Wunder, dass fast alle Jungs als Hobby Fußball genannt haben. Neben der Freude, dass es den Kindern gut geht, gibt es auch Herausforderungen: Ein Heimleiter wurde noch nicht gefunden. So steht das für ihn und seine Familie bestimmte Haus leer. Das Gästehaus wird schon von Gruppen aus den USA genutzt, könnte aber noch weiter ausgelastet werden. Die ausländischen Gäste kommen für medizinische und handwerkliche Einsätze nach Haiti und generieren durch die Nutzung des Gästehauses Einnahmen, die dringend benötigt werden.

20150122 151956Für die Kinder sorgen zwei Hausmütter, eine Köchin, ein Fahrer und zwei Pförtner zur Bewachung des Geländes. Für das House of Hope wird dringend das Mobiliar aus dem Container benötigt, der leider immer noch im Hafen von Port-au-Prince festhängt. Jeder kennt die Schikanen und Herausforderungen bei dem Import von Hilfsgütern. Horrende Forderungen für zweifelhafte Leistungen stehen nach wie vor im Raum. Nach Gesprächen mit Spedition und einem Kongressabgeordneten gibt es Hoffnung, dass sich etwas bewegen wird.“

„Danke!“ an alle, die mit uns gemeinsam an einer besseren Zukunft für Kinder in Haiti bauen!

PS. Wir freuen uns über zusätzliche Spenden für die Versorgung der Kinder im House of Hope.

Verwendungszweck: 8060-012 House of Hope Pignon

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